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Leben in einer Schublade

Wer unseren großen Sohn kennenlernt, insbesondere an einem schlechten Tag, wird im ersten Moment denken: „völlig überdreht“ „ungeschickt“ „aggressiv“ oder dass er völlig unangepasst ist.
Die Schuld wird dann in der Unfähigkeit bei uns Eltern gesucht.
Die Geschichte dahinter kennen aber nur wenige…
Lange habe ich den Beitrag hinausgezögert, da es für mich ein sehr schweres Thema ist und mein Sohn schon oft genug damit zu kämpfen hat abgestempelt und in eine Schublade gesteckt zu werden. 
Aber ich denke, die Aufklärung ist auch wichtig, damit genau dieses Abstempeln und Vorverurteilen ein Ende hat. 

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Wie alles begann…

Ich hatte erst in der 13. SSW erfahren, dass ich schwanger bin. Es war die Vorweihnachtszeit mit vielen 24-Stunden-Schichten  auf der Arbeit. Ich rauchte am Tag mindestens eine Schachtel Zigaretten und bei den ganzen Feiern floss auch reichlich Alkohol.
Als ich erfuhr, dass ich schwanger war, meinte jeder zu mir: „keine Sorge, du wusstest ja nicht, dass du schwanger bist, also hast du deinem Kind nicht geschadet. 
Mittlerweile denke ich da anders… ich denke schon, dass meine Lebensweise in den ersten Wochen der Schwangerschaft schuld dran ist, dass mein Sohn so viele Probleme hat. 
Aber auch die Zeit nach der Geburt, in der ich mit meiner Wochenbettdepression zu kämpfen hatte, ist ein entscheidender Faktor. 

Aber warum denken die Menschen im ersten Moment so? Was ist bei ihm anders, als bei anderen Kindern…

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Drehen wir die Zeit einmal zurück. 

Tag der Geburt! Die Geburt verlief schnell und ohne Komplikationen, doch schon im ersten Moment verspürte ich nicht die Euphorie und Liebe wie eine Mutter es nach der Geburt verspüren sollte. Er lag mehr im Glaskasten neben mir, als auf oder neben mir. 
Die ersten 2 Tage war er sehr entspannt, doch dann fing das Schreien an. 
Kein Weinen oder Wimmern, weil er Hunger hatte oder die Windel voll war. Nein, exzessives ohrenbetäubendes Schreien und das bis zu 12 Stunden am Tag. 
Ruhe war meist nur, wenn wir unter anderen Menschen waren. Daher kann und konnte sich niemand vorstellen, wie schlimm es wirklich war. Wenn wir erzählten, wurde es herunter gespielt: „ja, da mussten wir alle durch.“ „das Leben mit Baby ist nun mal nicht immer schön“ „Schlafmangel gehört dazu“ usw.
Somit erkannte auch niemand, wie schlecht es mir mit meiner Wochenbettdepression ging.
Von den weiteren Problemen mit dem Stillen und der Flaschennahrung hatte ich ja auch bereits in meinen Stillgeschichten erzählt. 
Somit war also der Teufelskreis perfekt. Kind schrie→wir immer verzweifelter→Kind schrie mehr..
Eltern-Kind-Bindung war also massiv gestört. Als der Kleckermann 1 Jahr alt war, machte ich eine Gruppentherapie, durch der es deutlich besser wurde.

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Aber dann traten neue Problem auf..

Mit Beginn der Autonomiephase kamen die Wutanfälle. Kennen wir alle, oder?
Da seine Frustrationsgrenze sehr, sehr dünn ist, hat er sehr häufig und auch sehr extreme Wutanfälle. So verletzt er sich selbst oder es besteht akute Gefahr für andere. Er schmeißt einfach alles, was er in die Hände bekommt, Spielzeuge, Möbel, eigentlich alles was er heben kann. Auch kommt es vor, dass er ohne vorher ersichtlichen Grund, im Spiel plötzlich andere Kinder haut, tritt oder sogar beißt.
Zudem besitzt er eine Distanzlosigkeit zu anderen Menschen und nimmt durch seine enorme Kraft, sehr, sehr grob Kontakt zu anderen Kinder auf.
Altersentsprechend hat er eine Konzentrationsschwäche und motorische Unruhe. Alleine und selbstständig spielen ist nur bedingt möglich. Er spielt nur dann, wenn jemand mit im Raum ist. 
Wir versuchen ihn so vieles wie möglich selbstständig machen zu lassen, allerdings braucht er ständige Begleitung.

Lange bekamen wir keine Hilfe oder zumindest nicht die richtige. Denn uns wurde immer wieder auf die Nase gebunden, das wir mit unserer Art der Erziehung dran schuld sind. „Er braucht klare Regeln, Grenzen und Strafen!“
Das seine Regulationsstörung sich manifestiert hatte oder das er auch noch eine Wahrnehmungsstörung hat, sagte uns niemand.
Viele Anträge auf Unterstützung wurden abgelehnt, doch mittlerweile bekommt er 2x die Woche Psycho- und Ergotherapie.
Auch Akzeptanz, das er nun mal anders und fordernder ist, als hat uns viel geholfen.

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Aber was genau ist eine Regulationsstörung und Wahrnehmungsstörung?
Regulationsstörung (häufig und eigentlich auch fälschlicherweise oft als Dreimonatskoliken bezeichnet) 

Säuglinge und Kleinkinder können sich nur in der Interaktion (also wechselseitiges aufeinander Einwirken durch Bezugsperson) regulieren.
Regulationsstörung tritt häufig im Zusammenhang mit einer Störung in der frühen Eltern-Kind-Bindung auf. Es entsteht ein Teufelskreis: Säugling beruhigt sich nicht-> Eltern sind Hilflos, frustriert, aggressiv, depressiv-> Kind schreit mehr

Symptome:

  • Leitsymptom: exzessives Schreien
    3er Regel von wessel: mehr als 3 Stunden pro Tag an durchschnittlich mindestens 3 Tagen der Woche über mindestens 3 Wochen
  • Kurzer Tagesschlaf
  • Einschlafprobleme
  • Koliken

Behandlung:

  • emotionale Erste Hilfe
  • nach ausführliche Anamnese Ggf Ernährungs-und Stillanamnese oder Schlafgewohnheiten.
  • Eltern-Kind-Beratung mit Psychotherapie
  • Hilfreiche Kinderbetreuung, Familienhilfen

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Wahrnehmungstörung  oder sensorische Integrationsstörung

Es ist eine Störung im Zentralnervensystem in der Verarbeitung von Sinneseindrücken.

Auditive (hören), olfaktorische (riechen), visuelle (sehen), gustatorische (schmecken), taktile (fühlen)

Es gibt unterschiedliche Arten: modalitätsspezifischer, intermodaler oder serialer Wahrnehmungsstörung. Bei einer Störung werden also die Reize empfangen, aber die Verarbeitung ist gestört
→Organisation und Interpretation der elektrischen Impulse gelingt nicht oder nur unzureichend
Beispiel: wir fühlen heißes Wasser auf der Haut, normal Hand wird weg gezogen unnormal die Hand bleibt drunter ohne Schmerzempfinden 

Ursachen für Störung:

  • Umwelt 
  • organische Beispiel: im Mutterleib, bei der Geburt oder erst nach der Geburt des von (Nikotin oder Alkohol in der SS)

Folgen

  • Probleme beim lernen 
  • für anderen Menschen wirken sie aggressiv, unangepasst, ungeschickt, passiv oder überdreht

Behandlung:

  • emotionale Erste Hilfe
  • sensorische Integration
  • Logopädische Behandlung
  • Heilpädagogen
  • Physiotherapie für Kinder : Bobath
  • Affolter-Modell, auch „Gespürte Interaktionstherapie“ genannt. Handlungsabläufe, die von Patienten mit Wahrnehmungsproblemen nicht ausführbar sind, werden dabei gemeinsam mit dem Therapeuten ausgeführt.

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Was wünsche ich mir für die Zukunft? 

Vorallem mehr Akzeptanz von unseren Mitmenschen! Weder sind wir Eltern unfähig unser Kind zu „erziehen“ noch ist er böswillig aggressiv. Ich würde euch gerne ein Patentrezept für den Umgang mit ihm geben, aber das kann ich nicht. Jede Situation muss individuell betrachtet werden.

 

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