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Unsere Geschichte (Teil 7)

Nach den Sommerferien teilte uns der Betreuer mit das er leider die Gruppe verlassen wird. Seine Nachfolgerin war schnell gefunden und Sie schien uns auch sehr offen und kompetent.
 
Aber der Schein sollte trügen…
 
Das was in der Krippe mit uns gemacht wurde, bekam hier ganz neue Dimensionen.
Wir merkten das sich das Verhalten des Kleckermanns nach und nach wieder verschlechterte und die Gespräche in der Kita häuften sich.
Lange wussten wir tatsächlich nicht, woran es lag, dass seine Verhaltensauffälligkeiten wieder sehr extrem wurden.
Durch die vielen Gespräche in der Kita mit wieder vielen Vorwürfen, waren die Schuldigen gefunden: Wir Eltern!
 
Trotz der Diagnose sollte ich auf Anraten der Einrichtung nochmal einen Termin beim SPZ und zur Überprüfen des I-Status machen. Was beides am Telefon abgelehnt wurde, weil wir bereits da waren und der Status mehrfach schon abgelehnt wurde.
Da musste ich mir wieder anhören, das ich mit der Einrichtung zusammenarbeiten möchte.
Ein Spruch, den ich mir mehrfach anhören musste war : „Mit 2 Kindern muss man sich nicht Selbstverwirklichen.“
Mir bzw uns wurde unterstellt, das wir unsere Arbeit und unsere Bedürfnisse (bei meinem Mann der Schlaf, nach der Nachtschicht) über die unseres Kindes stellen würden.

 

 

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Unsere Geschichte (Teil6)

Der Wechsel zur Kita stand an und wir machten uns lange mit Hilfe seiner Therapeutin Gedanken was das Richtige für ihn und für uns wäre.
I-Status und somit ein Intigrationsplatz wurden abgelehnt, also schauten wir nach der besten Option.
Aufgrund meiner beginnenden Selbstständigkeit plus der Schwangerschaft mit dem Elfen (die von Anfang nicht leicht war) und den Arbeitszeiten meines Mannes, war in unser aller Augen ein Platz in einer Vollzeitgruppe (9:00-15:00/15:30 Uhr) mit einem männlichen Betreuer die beste Lösung.
So war es anfangs auch…
Nach dem Wechsel in die Kita hatten wir das Gefühl er sei endlich angekommen. Er machte riesen Entwicklungsschritte und auch die Entscheidung mit einem männlichen Betreuer, der viel nach Montessori arbeitete, kam dem Wesen vom Kleckermann sehr entgegen.
Elterngespräche liefen endlich „normal“ ab ohne Vorwürfe oder Druck.
Es gab noch die Empfehlungen mit einer Ergotherapie zu starten, was seitens der Kinderärztin unter 4 aber nicht möglich sei.
Nach einem Besuch im SPZ (Sozial Pädiatrischen Zentrum) und endlich der Diagnose Wahrnehmungs-und Regulationsstörung starteten wir dann mit der Ergotherapie, die auch nochmal viel positiven Einfluss hatte.
Tja und dann kam die nächste Hürde: ein Betreuerwechsel.

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Unsere Geschichte (Teil 5)

Mit dem 1. Geburtstag des Kleckermanns war meine Elternzeit vorbei, ich fing also wieder an im Rettungsdienst zu arbeiten. Mein Chef war super verständnisvoll und kam mir sehr entgegen mit den Schichten. Mein Mann arbeitete nur nachts und einen Krippenplatz hatten wir noch nicht.
Somit kam mein Mann morgens von der Arbeit, übernahm den Kleckermann, damit ich zur Schicht konnte. Mittgas übernahm ich dann, damit mein Mann schlafen konnte. Die Nächte waren zu der Zeit absolut gruselig, weil der Kleckermann am Dauerzahnen war.
Mein Mann und ich gingen auf dem Zahnfleisch und waren glücklich, als wir dann endlich mit der Eingewöhnung in der Krippe starten konnten.
Da er eine Distanzlosigkeit zu anderen Menschen hat, war die Eingewöhnung absolut kein Problem.
Doch schon nach den ersten Wochen und dem ersten Elterngespräch sollte nach und nach die Krippe uns immer mehr Probleme bereiten.
Das Begleiten des Kleckermanns war zu dieser Zeit schon nicht einfach und jetzt rückblickend kann ich sagen, dass sich in dieser Zeit schon viele Symptome sehr bemerkbar machten. Seine ausgeprägte motorische Unruhe und Rastlosigkeit, das laute Spielen, seine geringe Frustrationstoleranz und sehr extremen Wutanfälle (auch mit Selbstverletzung), sein impulsives Verhalten und die unüberlegten Handlungen, wie z.B. ohne vorher ersichtlichen Grund im Spiel plötzlich andere Kinder zu hauen, treten oder zu beißen.
Völlig Verständlich, dass die Erzieher und auch Eltern da eine „Gefahr“ sehen und handeln wollen, aber anstatt wirklich zu helfen, begann da unsere Odyssee an Vorwürfen, Druck und Mobbing. Zusätzlich kamen noch Verdachtsdiagnosen, wie „Autismus“, „ADHS“ „Zwangsstörung“ seitens der Erzieher mit Therapievorschlägen.

Ich kann da nicht ganz so ins Detail gehen, weil unsere Geschichte dazu beigetragen hatte, dass jemand gekündigt wurde.

Zu dieser Zeit begannen wir wegen der Diagnose „Wahrnehmungs- und Regulationsstörung“ unsere Psychotherapie. Auch der I-Status wurde damals zum ersten Mal beantragt, aber mittlerweile mehrfach abgelehnt u.a. mit der Begründung, dass wir mit unserer Art der Erziehung daran schuld sind. O-Ton „Er braucht klare Regeln, Grenzen und Strafen!“

Hängen in den Köpfen bleibt aber nur, dass unser Kind völlig unangepasst war und derjenige war, der mit 2 Jahren zur Entlastung der Einrichtung je einen Tag in der Woche zu Hause bleiben musste.

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Unsere Geschichte (Teil 4)

Tag der Geburt! Die Geburt verlief schnell und ohne Komplikationen, doch schon im ersten Moment verspürte ich nicht die Euphorie und Liebe, wie eine Mutter es nach der Geburt verspüren sollte. Er lag mehr im Glaskasten neben mir, als auf mir oder zusammen mit mir im Bett.
Die ersten 2 Tage war er sehr entspannt, doch dann fing das Schreien an.
Kein Weinen oder Wimmern, weil er hunger hatte oder die Windel voll war.

Nein, exzessives, ohrenbetäubendes Schreien, bis zu 12 Stunden am Tag und das dann über 8 Monate hinweg.

Neben der Diagnose Regulationsstörung und den vielen Problemen beim Stillen, der Flaschennahrung und auch bei der Beikost, ausführlich habe ich meine Stillgeschichten auf meinem Blog erzählt (Link in der Bio) hatte er mehrere Blockaden und Verspannung, die mit 8 Monaten erkannt und behandelt wurden.

Da er meistens etwas ruhiger war wenn andere Leute um uns waren, erkannte auch niemand, wie schlecht es mir ging und ich immer weiter in die Wochenbettdepression rutschte.
Als der Kleckermann ungefähr 4 oder 5 Monate alt war, hatten wir Kontakt zu einer Familienhebamme. Allerdings war diese keine Unterstützung, sondern löste mit ihrem Wunsch, alles genau zu dokumentieren, noch mehr Stress in mir aus.
Aus diesem und noch weiteren Gründen nahmen wir diese „Hilfe“ nicht mehr in Anspruch.
Da wir keinerlei Unterstützung hatten, bzw. es mir durch Depression und die Erfahrungen mit der Familienhilfe nicht mehr möglich war Hilfe anzunehmen, war die Eltern-Kind-Bindung, aber auch die Beziehung zu meinem Mann, massiv gestört.
Als der Kleckermann 1 Jahr alt war, machte ich eine Gruppentherapie, durch die es dann aber deutlich besser wurde.

Bullshit der Woche

Bullshit der Woche (77)

Diese Aussage musste ich mir die letzten Jahre immer wieder von verschiedenen Ärzten, Psychologen, Therapeuten usw. anhören. Sogar von einer „Fachärztin“ für das fetale Alkoholsyndrom.

Hast du schon mal von dem Alles-oder-nichts-Prinzip gehört?

Es besagt, wenn die äußeren Einflüsse die Zellen zu stark beschädigt haben, dass es in den ersten Tagen zu einer Fehlgeburt kommt. Diese wird dann von uns Frauen einfach nur als verspätete Regelblutung wahrgenommen.
Dieses Prinzip zählt allerdings nur für die ersten Tage und nicht für Wochen.

Es konnte bisher nicht wissenschaftlich festgelegt werden welche Menge Alkohol wann welchen Schaden verursacht.
Wenn Ärzte solche Aussagen treffen und somit das Alles-oder-nichts-Prinzip nicht nur auf die ersten Tage, sondern auf die Wochen beziehen, ist das schlichtweg falsch.

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Unsere Geschichte (Teil 3)

Da saß ich nun.
Völlig im Schock stehend zünde ich mir erstmal eine Zigarette an.
Mein Blick wandert zum positiven Schwangerschaftstest, zur Zigarette, wieder zum Test und zurück zur Zigarette…
Verdammt, was mache ich da! Zigarette ausgedrückt, Handy geschnappt und beim Frauenarzt angerufen.

Termin gleich am selben Tag.

13.12.2013 – „Herzlichen Glückwunsch Frau Highley, Sie sind in der 13. (+4) Schwangerschaftswoche. Das Herz schlägt kräftig und Ihrem Kind geht es soweit gut.“

Wow… ich stand immer noch völlig neben mir.

Nach der Untersuchung hatte ich noch ein Arztgespräch um auch den Mutterpass zu erstellen.
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Der Konsum von Alkohol und Nikotin wurde auch angesprochen.
Mein Arzt sagte damals zu mir, dass ich jetzt einfach keinen Alkohol mehr trinken soll und dass die Schwangerschaft noch recht früh ist und somit das Kind überhaupt keine Schädigungen haben kann. Nikotinkonsum sollte ich einfach schrittweise, wegen der Entzugserscheinungen, reduzieren. (Ich hörte sofort mit dem Rauchen auf)

Auch alle anderen Leute mit denen ich über die Zeit sprach, als ich noch nichts von der Schwangerschaft wusste, meinten zu mir: „Keine Sorge, du wusstest ja nicht, dass du schwanger bist, also hast du deinem Kind nicht geschadet.“
Die weitere Schwangerschaft, und auch die Geburt im Krankenhaus, verlief ohne Komplikationen.

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Unsere Geschichte (Teil 2)

Es war der 23. März 2012 als mir die Ärztin im Krankenhaus mitteilte, dass ich wohl, aufgrund meiner Vorgeschichte (mehrere Eierstockentzündungen und der Fehlgeburten im Jahr 2009 und 2011 in der 20. und 10. SSW), sehr schwer haben werde, Kinder zu bekommen. Mein Freund, und jetziger Mann, und ich waren uns einig, dass wir es dennoch versuchen wollten.
1,5 Jahre ohne Erfolg, dann wieder ein Besuch beim Frauenarzt. Ein weiterer Schock: Abstrich zur Krebsfürsorge positiv – PAP 4 (Krebsvorstufen, Krebs im Frühstadium oder Krebs ist möglich) und somit standen weitere Untersuchungen an.
Thema Kinder? Erstmal bei Seite geschoben.

Es war Ende August/ Anfang September 2013 als mir gesagt wurde, dass alles in Ordnung sei und ich keinen Krebs hätte. Ich wollte nur noch feiern: bei Veranstaltungen wie Geburtstagen, Partyabenden mit Freunden, Feuerwehrball und Weihnachtsfeiern trank ich Alkohol (hauptsächlich Schnäpse und Cola Mischgetränke). Zu dem Zeitpunkt rauchte ich am Tag auch mal eine Schachtel Zigaretten weg.
Anzeichen einer Schwangerschaft? Nö.
Meine Periode war nach dem Absetzen der Pille sowieso unregelmäßig und großartig Krämpfe hatte ich nie.
Das Einzige das ich hatte war Sodbrennen. Mein Arzt schob es aber auf das unregelmäßige Essen und den Tabakkonsum.
Am 13.12. hatten mein Mann und ich einen kleinen Streit und er knallte mir aus irgendeinem Grund (wir wissen es gar nicht mehr genau) die Frage an den Kopf: „Bist du schwanger oder warum zickst du so rum?“
Hä?
Ich und schwanger. Ist nicht möglich! Zum Beweis wollte ich einen Test machen..

Tja, und der war Postiv!

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Unsere Geschichte (Teil1)

Nachdem ich es schon mehrfach in den Instagram Stories angeschnitten habe, und auch schon das ein- oder andere mal in den Beiträgen erwähnt habe, wisst ihr, dass das Leben mit dem Kleckermann besonders ist. Ihr habt mich gebeten, dass ich ein bisschen mehr über das Leben mit dem Kleckermann schreibe. Aber ehrlich gesagt, weiss ich nicht, wo ich anfangen soll..
Ich habe jetzt schon mehrfach begonnen Videos zu drehen oder Texte zu schreiben, in denen ich unsere Geschichte erzähle. Allerdings habe ich es auch immer wieder gelöscht.
Jetzt nach 6 Jahren haben wir endlich jemanden gefunden, der uns ernst nimmt. Damit ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, aber dieser Stein zerschmettert immer wieder mein Herz, wenn ich meine, bzw. unsere Geschichte erzähle oder aufschreibe.
Warum ich dennoch unsere Geschichte erzählen möchte?
Weil es vermeidbar ist und ich durch unsere Geschichte auf die Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft aufmerksam machen möchte.

 
 

Also, was hat der Kleckermann?

Er hat eine alkoholbedingte neurologische Störung (Kurzform ARND). Das ist eine Unterform vom Fetalen Alkohohlsyndrom. Zur Feststellungen, welche Schädigungen er genau hat und welchen Schweregrad er besitzt, waren wir jetzt erst zur Diagnostik.
Viele Fragen, die ihr schon teilweise mehrfach gestellt habt, werde ich versuchen, in den kommenden Beiträgen zu beantworten.