Erfahrungsberichte

Christina-plötzlich verschwand Brot mit Käse.

Beikostzeit ist immer eine spannende Zeit! So individuell unsere Kleinen sind, so indivuell ist auch die Beikosteinführung. Mit den Erfahrungsberichten möchte ich eine Plattform bieten, auf der ihr als Eltern eure Tipps und Erfahrungen teilen könnt.
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Christina
Meine liebe Freundin und Kollegin Christina berichtet heute mal über die Beikosteinführung mit ihrem Sohn.
Christina , ist Kindergartenpädagogin und hat im Zuge ihrer Karenz mit ihrem Erstgeborenen L. (Februar 2015)  mehrere Ausbildungen rund ums Baby- und Kleinkindthema absolviert bzw. steckt zum Teil immer noch drinnen. Aktuell ist sie mit Baby Nr. 2 (Juni 2017) schwanger.

In welcher Form gibt es Beikost?

Ich hatte bereits zum Ende der Schwangerschaft ein echtes Grauen vor Brei und der wie ein Beil über uns schwebenden 4-Monatsgrenze. Wir erlebten zum Glück von Beginn an eine sehr komplikationslose Stillzeit (erster Plan war 6 Monate Stillen), doch je näher eben die 17. Wochen kam, umso innerlich unruhiger war ich. Aus meiner Kindheitserfahrung war Brei/ Püriertes immer an Zwang gekoppelt: wir mussten die (aus Kindersicht zumindest) ekelhafte Gemüsesuppe aufessen, um an die leckere Hauptspeise (durch die Arbeit meines Vaters gab es zumindest unter der Woche „klassische Kindermenüs“ à la Nudeln, Palatschinken, Fischstäbchen, Würstel, etc.) zu gelangen. Kurzum: der Gedanke, meinem Kind so einen blöden Brei „reinstopfen“ zu müssen, war mir zutiefst zuwider. Umso erleichterter war ich, als ich etwa mit fünfzehn Wochen dank eines – hier mal wirklich sinnvollen – Facebook-Algorythmuses erstmals auf meinen persönlichen „Heiligen Gral“ Baby Led Weaning stieß. Plötzlich ergab alles eine natürliche Logik und Stimmigkeit. Das Wissen, ich MUSS nicht mit 17 Wochen (für mich als Zeitpunkt absolut unstimmig für mein Kind gewesen) füttern, sondern könnte mir mindestens bis 6 Monate vollstillend Zeit lassen, waren eine richtige innere Befreiung. Ich habe also online recherchiert: Blogs von Junika über Babyspeck und Brokkoli waren mein erster Anlaufpunkt neben Facebook. Und ja, ich gebe zu, ich habe erst Monate später endlich das Grundlagenbuch von Rapley verschlungen.

Zum Glück habe ich so bereits nebenbei die Bedeutung einer eisenreichen Ernährung und die wichtigsten Referenzwerte mitbekommen. Zusätzlich hielt ich mich als Orientierung bei der Nahrungsangebotsauswahl an die Lebensmittelpyramide für Kleinkindernährung.

Was war das erste was gegessen wurde?

Tja, da war Mama also mit ihrem Plan 6 Monate Stillen. Was tat Sohnemann, eines der Motorikerbabys, welches mit dem halben Jahr krabbelte und frei saß? Als ich mit etwas über 5 Monaten mit Freunden bei einem kalten Mittagessen mit ihm auf meinem Schoß dasaß, verschwanden plötzlich Brot und Käse von meinem Teller und in Babys Bauch. Ich habe zu dem Zeitpunkt innerlich bereits die Rettung gerufen, so komplett überfordert war ich in dem Moment, aber er hatte seinen Spaß und erstickte wider Erwarten nicht.


Wie verlief die Einführung?

Ich gebe zu, ich habe die ersten 2 Monate sehr langsam reagiert. Das ist ein Punkt, bei dem ich meinem 2. Kind sicher vom ersten Moment an viel mehr Möglichkeiten anbieten werde, also auch in Hinblick auf die WHO-Empfehlung für Beikost mit 2-3 Mal am Tag ab 6 Monaten. Beim Großen jedoch benötigte ich erst einmal 2, 3 Wochen, um zu realisieren, dass er früher als erwartet beikostreif war. Hinzu kam, dass obwohl er auswärts so fröhlich gegessen hatte, bei den Angeboten daheim kaum Interesse zeigte. Darum boten wir ihm zu Beginn auch nur alle paar Tage mal ein weiches Obst (es herrschte damals Hochsommer), eine Avocado oder ein paar Gemüsesticks an. Zum 7. Monat hin kam langsam mehr Neugierde auf, wenngleich eher Minimengen (ca. 2x/ Tag damals) verzehrt wurden. Ansonsten wurde weiter gestillt. Ein Abstillen kam bei der verzehrten Nahrungsmenge ebensowenig für mich in Frage, wie ein Wechsel auf Pulvermilch. Wir achteten im ganzen ersten Lebensjahr auf eine salzfreie/ -arme bzw. zuckerfreie/ -arme Zubereitung der Speisen. Auswärts durfte unser Sohn jedoch ab kurz vorm 1. Lebensjahr hier und da auf Wunsch auch einmal einen Kuchen kosten. Grundsätzlich halte ich wenig von Zuckerersatzstoffen und suche lieber einen Mittelweg zwischen erlauben, aber auch nicht übertreiben. Zu Beginn würgte und hustete er beim Essen hier und da, es wurde jedoch nie kritisch. Bald bewältigte er alle Konsistenzen ohne Probleme, wodurch auch mein Mann entspannter wurde. Denn der Arme wäre aus Schreck über die ersten Episoden kurzfristig beinahe auf Brei umgestiegen!

Mit 8 Monaten wollte unser Sohn selbst löffeln. Auch wenn noch viel daneben ging war ihm ein Essen mit Besteck deutlich sympathischer. Mit 10 Monaten bestand er vehement auf einer Gabel. Mit einem dreiviertel Jahr wurden die verputzten Mengen an Beikost langsam mehr, und auch mein Mann begann verstärkt auch für Sohnemann vielseitiger zu kochen. Kurioserweise hat unser Kind bis heute ein Faible für Pürees – also gab es auch hier und da Suppen, Kartoffelpüree u.ä. vom Papa, weil der sich freute, wenn sein Sohn eben solche Sachen so begeistert in sich hineinlöffelte. Zur Begleitung der Essenssituation nutzten wir Babyzeichen „Hunger“, „trinken“, „stillen“, „noch mehr“ reichten hierfür für unseren Sohn jedoch aus – mehr wollte er einfach nicht nutzen.



Wasser bekam L. ab ca. 7 Monaten im Schnapsglas angeboten. Trotz regelmäßiger Überschwemmungen hatte er den Dreh rasch heraus, wenngleich er die ersten Monate eher nur daran nippte. Erst im 2. Lebensjahr wurde die Nachfrage nach Wasser wirklich stark spürbar. Zum 1. Geburtstag hin aß unser Sohn auch endlich nennenswerte Mengen. Ich dachte schon „Juhu, nun würde er sich abstillen!“. Denkste! Prompt kam die 1 Jahres-Esskrise. Aus einem vielseitigen Kosten und Essen reduzierte sich sein Speiseplan binnen Stunden auf Joghurt, Banane, trockene Nudeln und Reis. Gemüse? Sicher nicht! Eine Tomatensoße über die Nudeln? Kann Mama behalten. Ich war in der Zeit echt froh, noch stillen zu können, da wir so keinerlei inneren Essdruck hatten. Mit ca. 1,5 Jahren verschwand die Phase über Nacht ebenso plötzlich wieder, wie sie gekommen war. Von einem Tag auf den anderen wurde wieder Bekanntes neu entdeckt, aber auch Unbekanntes für „Buono!“ (ital. „lecker“) erklärt und begeistert gegessen.

Nun mit 2 Jahren isst er wieder fast alles (z.B. Tomaten hat er seit damals bis heute nicht mehr angesehen, d.h. ein paar wenige heikle Seiten zeigt er trotz allem noch), hat aber auch schon ganz konkrete Vorstellungen was ihm besonders schmeckt, und wird nicht müde, dies auch einzufordern.


Unsere Lieblingsessen?

Puh, wie es bei Kindern ist, hatte unser Sohn wechselnde Vorlieben. Als erstes kommt definitiv seine „Teta“ (spanisches Wort für Busen). Heute stillen wir nach 27 Monaten, trotz neuerlicher Schwangerschaft, immer noch. Und auch, wenn er nicht mehr ständig seinen Busen braucht und ebenso gerne normal isst … ganz ohne geht es noch nicht. Sein Alltime-Beikost-Renner von Beginn (Einführung etwa mit 10 Monaten) bis heute ist sein Naturjoghurt mit Haferflocken, maximal dürfen noch ein paar frischen Bananenscheiben hinein und Bananen pur. Reis mit Gemüse, Würstel und Spinat sind weitere Favoriten. Aktuell lebt er für Essiggurkerl, Käse und Karotten-Mais-Salat ebenso sehr wie für Kekse und mal einen Kuchen. Mal hat er einen „Beerenhunger!“, mal einen „Eishunger!“, mal einen „Püreehunger!“ Kurzum: hier halten sich Mamas und Papas Vorlieben auch bei seinen Präferenzen gut in der Waage und auch wenn er – auch altersbedingt – aktuell Süßes bevorzugen täte, kann ich behaupten er ernährt sich trotz allem und selbstbestimmt sehr ausgewogen. Als halbitalienische Familie stehen ansonsten vorrangig Nudeln in verschiedenen Varianten und andere italienische Köstlichkeiten am Speiseplan – hier kocht aber mein Mann in erster Linie (ich bin halt nicht die Schwiegermama), während ich eher für Süßspeisen zuständig bin. Unser Kind hat seinen Spaß daran, sich einfach konsequent durchzukosten und zeigt eine enorme Neugierde für Bekannte und neue Speisen. Ihoffe es bleibt auch weiterhin so! Ob es Zufall oder Folge des Baby Led Weanings ist, kann ich nicht sagen, aber mäkelig war er seit dem Vergehen der Esskrise zum 1. Geburtstag kaum noch! Nummer 2 wird übrigens definitiv auch mit Baby Led Weaning aufwachsen dürfen – dafür waren unsere Erfahrungen damit einfach nur durch die Bank positiv und bestärkend.

Liebe Christina, ich danke dir für diesen Erfahrungsbericht und den Einblick in euer BLW-Erfahrungen. Für den weiteren Verlauf der Schwangerschaft wünsche ich dir alles Gute.

 

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