Bullshit der Woche (23)

„Wein und Sekt fördert die Milchbildung und schadet nicht.“

Wurde euch auch nach der Geburt empfohlen, gleich einen Sekt zu trinken? Einmal um auf den neuen Erdenbürger anzustoßen und zeitgleich die Milchbildung zu fördern.
Neben Alkohol, gibt es zahlreiche Medikamente, Tees, Salben, Globulis und noch viel mehr, das alles die Milchbildung anregen soll. 

Wissenschaftlich ist die Wirkung auf die Milchmenge allerdings nicht nachgewiesen.

Auch das Alkohol (vor allem ohne Mengenangaben) nicht schadet, stelle ich stark in Frage.

Stillen und der Konsum von Alkohol ist auf Sozialmedia und bei Fachkräften sowieso ein sehr heikles Thema und führt sehr häufig zu hitzigen Debatten.

 

Ich möchte euch mit gesammelten Informationen einen Überblick verschaffen, so dass ihr für Euch eine Entscheidung treffen könnt. 

Der deutsche Hedammenverband, das Europäische Institut für Stillen und Laktation und der Bund für Risikobewertung sind sich einig: 

Eine kleine Menge an Alkohol ist gelegentlich in der Stillzeit vertretbar, wenn der Abstand zur nächsten Stillmahlzeit ausreichend lang ist.

Tja, und was ist jetzt eine kleine Menge? Und wie lang muss „lang“ sein?
Da gibt es keine einheitliche Empfehlung! 

Ich möchte anhand einiger Beispiele versuchen, diese Angaben etwas genauer zu definieren:

Erst einmal ein paar Zahlen zum Vergleich:
(Um Vol.-% in Gramm umzurechnen muss man folgenden Formel verwenden:
Menge in ml  x  (Vol.-% / 100)  x  0,8  =  Gramm reiner Alkohol)

– eine sehr reife Banane kann bis zu 0,6 Vol.-% [114g * (0,6/100)*0,8=0,5472g]

– Säfte in Deutschland dürfen max 0,38 Vol.-% haben

– ein Bier 0,33 Liter sind es 4,9 Vol.-% [330ml*(4,9/100)*0,8=12,936g]

– ein Glas Sekt hat 11 Vol.-% [100ml*(11/100)*0,8=8,8g]

Wie hoch eure Blutalkoholkonzentration (wird meist in Promille g/Kg angegeben. 1 Promille = 1 Gramm Alkohol/ pro 1 Kilogramm Blut und somit auch in der Muttermilch) dann ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

Wann wurde Alkohol konsumiert? Wieviel wurde getrunken? Wie schnell wurde getrunken? Wann und wieviel wurde gegessen? Größe, Gewicht und Geschlecht, Körperfett- und Körperwasseranteil.

Bei der Messung der Blutalkoholkonzentration ist jener Teil des Alkohols nachweisbar, der im Magen-Darm-Trakt und in der Leber nicht schon wieder abgebaut worden ist. Dazu gibt es verschiedene Formeln, um die genaue Blutalkoholkonzentration zu bestimmen. Online werdet ihr dazu auch einige Promillerechner finden, wo ihr einen zirka-Wert ermitteln könnt. 

Grundsätzlich kann gesagt werden, je schneller Alkohol ins Blut gelangt, desto schneller steigt die Blutalkoholkonzentration. 

Wird der Alkohol also über eine längere Zeit verteilt konsumiert, steigt die Blutalkoholkonzentration nicht so rasch an und der Körper kann während dieser Zeit einen Teil des Alkohols bereits wieder abbauen – pro Stunde durchschnittlich 0,1 bis 0,15‰.

Noch einige Promillewerte bei Erwachsenen und zur unmittelbareren Wirkung:

Ab 0,5 ‰ wird die Stimmung euphorisch
Bei 0,8 ‰ ist die Reaktionszeit um 30 bis 50% verlängert gegenüber dem nüchternen Zustand
Bei 1-2 ‰ befinden wir uns im Rauschstadium – Reaktionsfähigkeit und das Gleichgewicht sind bereits stark beeinträchtigt. Emotionen und Stimmungsschwankungen und Schläfrigkeit treten ein.
Ab 3‰ Betäubungsstadium – Störungen der allgemeinen Funktionen sind sehr ausgeprägt
3-5‰ werden erwachsene Person bewusstlos und fallen ins Koma.

Wenn man dann die Proportionen eines Säuglings anschaut, wird einem schnell klar, dass Alkohol schon bei weitaus geringeren Mengen seine Auswirkung zeigt.

Mein Fazit:

Ich möchte weder einer stillenden Mutter den Konsum von Alkohol verbieten, so dass sie sich dann evtl. dazu entschließt frühzeitig abzustillen, noch kann/ möchte ich ein „Okay“ für Alkohol in der Stillzeit (im 1. Lebensjahr) geben. 

In meinen Augen hinkt allerdings auch die Argumentation für den Konsum in der Schwangerschaft, dass Kinder mit der Aufnahme einer sehr reifen Banane, einem Glas Saft oder auch Kefir mehr Alkohol konsumieren, als wenn die Mutter mal ein Glas Wein oder Sekt trinkt.

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Keine Mutter würde seinem Kind eine sehr Reife Banane (wie auf dem Bild)  

so zum Essen geben, diese werde eher für Backwaren verwendet und Alkohol „verkocht“ bei hohen Temperaturen. Der pure Saft oder Kefir haben nichts in einer ausgewogenen Ernährung bei Säuglingen und Kleinkinder zu suchen. 

Es sollte jeder Stillenden Mutter bewusst sein, dass Muttermilch aus Blut gemacht wird und somit der Promillewert des Blutes auch dem Promillewert in der Muttermilch entspricht.

Auch sollte ihnen bewusst sein, dass Alkohol, so lange er sich im Blut befindet, auch die Oxytocinausschüttung, was wichtig für den Milchspendereflex ist, hemmt.

Ich möchte mich beim Admin Team von der  bedanken, denn dank deren Feedback ist die Infografik entstanden.

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